Die größten Irrtümer über Gips

Die Zukunftsfähigkeit von Gips und Gipsbaustoffen in der Architektur ist seit Jahrtausenden durchgängig sichtbar. Bauprodukte und -systeme aus Gips haben die Philosophie moderner Leichtbauweisen mitgeprägt und gehören heute zum Alltag auf Baustellen – was die Fachwelt kaum mehr bezweifelt. Trotz allem sind vereinzelt Bau(ern)weisheiten anzutreffen, die über Gips Überraschendes zu Tage fördern. Was ist dran an diesem „Expertenwissen“?

 

Gips „keinesfalls in Küche und Bad“

Die Vorteile der Gipsbaustoffe können für alle Innenräume im Wohnungsbau sowie für alle Räume mit wohnähnlicher Nutzung außerhalb des Wohnungsbaus genutzt werden (Hotels, Krankenhäuser, Schulen). Dies gilt ausdrücklich auch für häusliche Küchen und Bäder. Denn in diesen Räumen ist nicht mit einer andauernden und starken Feuchtebelastung durch Wasserdampf, sondern nur mit gelegentlichem Spritzwasser und kurzzeitig erhöhter Luftfeuchte zu rechnen, die für Gips keine Beeinträchtigung darstellen. Lediglich in gewerblichen Feuchträumen wie Großküchen oder öffentlichen Duschen dürfen keine Gipsbaustoffe eingesetzt werden.

 

Gips kann „keine Fliesen“

Hartnäckig beharrt noch manch ein Fliesenleger darauf, dass Fliesen oder Bekleidungen aus Natursteinplatten nicht auf Bauteilen aus Gips verlegt werden können. Das einschlägige ZDB-Merkblatt „Hinweise für die Ausführung von flüssigen Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“ nennt jedoch für Fliesen in häuslichen Küchen und Bädern ausdrücklich auch Gipsputze, Gips-Wandbauplatten sowie Gipsplatten als geeignete Untergründe. Zu beachten sind die Regelwerke für die jeweilige Bauweise, etwa DIN V 18550 „Putz und Putzsysteme“ oder die BAKT-Schrift „Bäder im Trockenbau“.

 

Gips „schimmelt“

Gips ist ein rein mineralischer Baustoff, der Mikroorganismen aller Art und damit speziell auch Schimmelpilzen keine Nahrungsgrundlage bietet. Gips selber kann nicht schimmeln! Trotzdem ist auch auf Gipsoberflächen die Ansiedlung und Ausbreitung von Schimmel in dauerhaft feuchten und durch Verunreinigung belasteten Wandbereichen möglich. Als Lebens- und Nahrungsgrundlage dienen den Pilzen in diesen Fällen organische Stoffe aus Anstrichen, Tapeten, Tapetenklebern oder dem Staub. Zum Schutz vor Mikroorganismen muss vor allem die Ursache einer Durchfeuchtung beseitigt werden, z.B. mit einer verbesserten Wärmedämmung und/oder einer besseren Belüftung.

 

Gips „zerstört Beton“

Die vermeintliche Unverträglichkeit von Gips und Beton gilt noch immer als große Weisheit, dabei ist die Natur beider Bindemittel heute geklärt. Auf allen trockenen zementgebundenen Untergründen – und dazu gehört auch Beton – lassen sich Gipsbaustoffe problemlos verarbeiten. Beim Verputzen auf Normalbeton beispielsweise, auf dem Gipsputz ausgezeichnet haftet, sollte die Restfeuchte des Massivbauteils allerdings einen Masseanteil von 3 % nicht überschreiten. Gips darf nicht mit noch feuchten, zementgebundenen Baustoffen bzw. mit frischem Beton in Berührung kommen, da die im Gips enthaltenen Sulfate chemische, das Volumen des Betons vergrößernde Reaktionen begünstigen, die das Bauteil nachhaltig schädigen (auch bekannt als Beton-, Sulfat- bzw. Ettringittreiben oder als Zementbazillus).

 

Gips und die „atmenden Wände“

Der Vergleich mit der menschlichen Atmung erscheint zwar anschaulich, ist aber physikalisch betrachtet nicht korrekt: Kein Baustoff „atmet“ in dem Sinne, das größere Mengen Luft durch ihn hindurchgehen können – anderenfalls wäre das betreffende Bauteil schlicht undicht. Möglich ist lediglich die mehr oder minder starke Diffusion von Wasserdampf, die als Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl µ eines Baustoffs angegeben wird. Sie liegt für Gipsbaustoffe in Größenordnungen von 5 bis 10. Sie sind damit deutlich diffusionsoffener sind als beispielsweise Kalk-Zement-Putze (ca. 35) oder gar Beton (100 bis 150). Viel wichtiger für ein wohnliches Raumklima ist aber eine andere Besonderheit des Gipses: Er kann größere Mengen Wasserdampf aufnehmen, ohne selbst „nass“ zu werden, und diese Feuchtigkeit in trockenen Perioden auch wieder abgeben. Gipsoberflächen halten die Luftfeuchtigkeit in einem Raum dadurch schwankungsarm stets in einem für den Menschen angenehmen Bereich.

 

Gips und „Wände mit Ohren“

Das Bergersche Massegesetz sagt für Massivbaustoffe wie Beton oder Mauerwerk vereinfacht aus: Je schwerer ein Bauteil, desto besser sein Schallschutz. Gips ist jedoch kein Massivbaustoff, sondern ermöglicht im Gegenteil gerade eine besonders leichte, ressourcenschonende und wirtschaftliche Bauweise – was aber den Schallschutz keineswegs negativ beeinflusst. Durch intelligente Detaillösungen wie mehrlagige Beplankungen, integrierte schalldämmende Schichten aus Mineralwolle oder elastische Anschlüsse, die die Gipsbauteile vom Tragwerk entkoppeln, entstehen schlanke Wand-, Boden- oder Deckenkonstruktionen, die die Anforderungen an einen zeitgemäßen Schallschutz erfüllen und die Massivbauteilen mit gleicher Dicke in diesem Punkt zumeist überlegen sind.

 

Gips „hält nichts aus“

Überall dort, wo Menschen in Bewegung sind – ob in Schulen, Kliniken, Betrieben –, werden Wandoberflächen täglich auf eine harte Probe gestellt. Oberflächen aus Gips werden diese starken, mechanischen Belastungen oftmals nicht zugetraut. Zu Unrecht, denn mit speziellen Hartgipsplatten, Gipsfaserplatten oder hoch beanspruchbaren Gipsputzen lassen sich besonders feste und oberflächenharte Bauteile mit hoher Stabilität auch aus Gips herstellen. Der Vorteil für das Facility Management im Objekt- und Gewerbebau, aber auch für den privaten Bauherrn: Weniger Verschleiß, geringere Reparaturanfälligkeit, minimierter Erhaltungsaufwand.

 

Gips „verschandelt die Landschaft“

Naturgips wird in Deutschland überwiegend im Tagebau gewonnen. Sein Abbau erfordert stets einen Eingriff in das Landschaftsbild. Die vermeintliche Lösung: Ausschließlich den bei der Energieerzeugung in Wärmekraftwerken als Nebenprodukt gewonnenen REA-Gips verwenden. Die vollständige Substitution des Naturgipses durch REA-Gips ist nicht möglich, weil zum einen die REA-Gipsproduktion den Bedarf nicht ausreichend deckt und zum anderen trotz gleichwertiger Rohstoffeigenschaften für viele Gipsprodukte in erster Linie Naturgipse, zumindest aber Rezepturen aus beiden Rohstoffen benötigt werden. Die Gipsindustrie setzt deshalb bei der aktiven Gewinnung von Naturgips auf schonenden Abbau und maximale Nutzung sowie danach auf Rekultivierung und Renaturierung der stillgelegten Flächen. Aufgelassene und fachgerecht renaturierte Gruben entwickeln sich in kurzer Zeit zu wertvollen Biotopen und werden wegen ihrer besonderen natürlichen Bedingungen nicht selten sogar zu Naturschutzgebieten erklärt.

 

REA-Gips „Nein Danke“

Zur Erfüllung der 13. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Großfeuerungsanlagen-VO, 1988) wurden in Deutschland Wärmekraftwerke mit Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) ausgestattet. Das im Gesetz verankerte Verwertungsgebot verlangte zudem die weitestgehende Überführung von Reststoffen aus der Energieerzeugung in die Produktion von höherwertigen Wirtschaftsgütern. Seither wird REA-Gips als vermeintliches „Fall-out-Produkt“ wahrgenommen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Entschwefelung der Rauchgase von Wärmekraftwerken spielt nicht nur eine fundamentale Rolle bei der globalen Luftreinhaltung, sondern liefert einen Rohstoff, der dem Naturgips gleichwertig ist. Das Produkt der Entschwefelung ist zunächst ein Gemisch von Calciumsulfit und Calciumsulfat, das nach der Oxidation mit Luftsauerstoff als reines Calciumsulfat-Dihydrat (CaSO4·2H2O) vorliegt und durch die Gipsindustrie unter sorgfältiger Überwachung der Qualitätsparameter weiterverarbeitet wird. REA-Gips ist wie Naturgips ein gesundheitlich und bauökologisch hochwertiger, völlig unbedenklicher Baustoff von höchster Reinheit.

 

Gips ist „kein Öko-Baustoff“

Gips gehört in der Tat nicht zu den Materialien, die umgangssprachlich oft auch als „Öko-Baustoffe“ bezeichnet werden, womit auf die besonders natürliche Herkunft der Materialien hingewiesen werden soll. Doch es ist nicht in erster Linie die Herkunft, die die baubiologische Sicherheit und die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Baustoffen bestimmt. Auch Naturstoffe können schädliche Substanzen emittieren. Maßgeblich für die Wohngesundheit von Baustoffen sind vor allem die Emissionen von flüchtigen Stoffen, die im eingebauten Zustand direkt in die Innenraumluft entweichen. Im Rahmen der Untersuchungen zur Umwelt-Produktdeklaration von Gipsprodukten wurden die Emissionen an flüchtigen organischen Stoffen (TVOC) – sowie ergänzend für Formaldehyd – bestimmt. Die untersuchten Bauprodukte (Gipsplatten und Gipsfaserplatten, Gips-Wandbauplatten, Gips-Trockenmörtel und Gipsbinder) haben dabei alle Prüfpunkte sowohl für Summenparameter als auch für Einzelstoffe nach dem anerkannten AgBB-Schema erfüllt und alle Kriterien deutlich unterschritten. Von Gipsprodukten geht keinerlei negative Beeinträchtigung der Raumluftqualität aus.



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Fugen und  Trennung angrenzender Bauteile

Spachteln und Fugen – Starre Anschlüsse

 

Die Art der Fugen und Anschlüsse  sind von vornherein zu  planen

Im wesendlichen sind  Gipskarton und Massiv konstruktiv zu trennen, Bewegungsfugen  des Bauwerkes sind mit der gleichen Bewegungsmöglichkeit zu übernehmen,

Dehnfugen sind bei größeren Flächen anzuordnen.

 

Trockenbau und Anschlüsse ohne Risse sind nicht möglich.

Der Standartanschluss  ist der  starre Anschluss an Angrenzenden Bauteilen oder  Übergänge / Anschlüsse  von Massivwänden und Gipskarton.

 

Beim Starren Anschluss an Massivbauteile ist  grundsätzlich eine Trennung GK / Spachtel erforderlich. Dies ist wird  einen Trennstreifen ausgeführt.

Betrachten wir diesen Anschluss mal genauer.  Die Art des Trennbandes entscheidet über die Größe der Fuge.

So können z.B. Schaumbänder bis 5 mm  oder auch einfache Trennbänder ( i.d.R. PVC Malerband ) 0,2 mm eingesetzt werden. Die breite der Fuge spielt bei kleineren Flächen keine wesendliche Rolle, wenn keine größeren Ausdehnungen der Konstruktion durch   wechselnder   Temperatur und Feuchte  zu erwarten sind.

 

In der Praxis

 

Vor dem Anschrauben der Gipsplatten  sind diese Trennbänder an der Wand aufzubringen, (normalerweise sind die  Bänder selbstklebend )  oder es besteht auch die Möglichkeit bei

Deckenkonstruktionen im Dachausbau die überstehende Folie ( Dampfbremse ) als Trennung zu nutzen.

Der Trennstreifen wird in der Breite so aufgebracht, das er  ca  3-4  cm  unter der GK Platte heraus schaut.

An diesen Trennstreifen kann nun angespachtelt werden, je nach Oberflächenqualität  2-3 Spachtelgängen. Nach dem schleifen ( je nach Talent beim spachteln nötig oder nicht ) wird der überstehende Streifen abgetrennt ( Messer )

Die verbleibende Fuge  kann nun  gestalterisch  je nach Breite verdeckt werden. ( z.B. Acryl )

 

Im Prinzip, egal was für ein Trennband, haben wir eine konstruktive Trennung zwischen Gips und anderen Werkstoffen, einen geraden kontrollierter Riss.

 

Bei starren Anschlüssen zwischen Gipskarton, ( z.B. Gipswand/ Wand/Gipsdecke ) kann ohne Trennung gearbeitet werden , mit Bewehrungsbändern  oder auch ohne direkt angespachtelt werden. In diesen Bereich ist ein späterer Haarriss zulässig, kann aber beim unkontrollierten Riss  in einen hässlichen Zick zack Kurs ausarten.

 

Hier hat sich aber auch in der Praxis die Trennung mit einen dünnen Malerband bewährt .

Das überspannen mit  Bewehrungsbändern  ist  oft eine mühselige Angelegenheit, auch wenn es hierfür spezielle Bänder gibt, ist die Verfugung einer Haarfuge  einfacher, und sicherer als ein direktes Anspachteln. 

 

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Hans-Peter Rottler        www.fita-baumontage

              

Starrer Anschluss mit Malerband                                    Unkontrollierter Haarriss  GK-Massiv 

 

 

 Unkontrollierter Haarriss  GK- GK

 

                                 

                        

 

 

 

 

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